Forststeig Elbsandstein
Ende Oktober war ich knapp eine Woche auf dem Forststeig unterwegs. Das sind ungefähr 105 Kilometer durch die Wälder der Sächsischen und Böhmischen Schweiz, entlang der tschechisch-deutschen Grenze. Geschlafen wird in Trekkinghütten und Biwaks.
Das Beef Jerky und die Obstchips hatte ich vorher selbst im Dörrautomaten gemacht. Ein paar Gerichte habe ich unterwegs ausprobiert, manche haben gut geklappt, manche eher nicht. Außerdem war gerade Pilzsaison und ich habe fast jeden Tag Hallimasch gefunden, das hat meine Essensplanung ziemlich durcheinander gebracht (im positiven Sinne).
Hin und zurück bin ich mit dem Flixtrain gefahren. In Schöna bin ich gegen 23 Uhr angekommen und habe dann direkt im Wald in der Hängematte übernachtet.
Tag 1 Schöna - Großer Zschirnstein - Taubenteich
Der erste Teil ging durch ein sehr schönes Tal entlang der tschechisch-deutschen Grenze, auf beiden Seiten hohe Felswände und unten ein kleiner Wasserfall. Unterwegs habe ich Bucheckern gesammelt und meinen ersten Hallimasch gefunden.
Von Schöna in den Wald
Oben auf dem Großen Zschirnstein habe ich mir dann davon was gekocht. Den Hallimasch habe ich mit ein bisschen Dörrfleisch angebraten, Wasser drauf, und dann eine Yum Yum Suppe mit dem Algenzeug und etwas getrocknetem Gemüse reingemacht. Sehr sehr lecker.
Ich war bestimmt zwei Stunden da oben und konnte nebenbei mein Tarp trocknen, das am Morgen etwas nass geworden war. Es war sehr windig und komplett neblig. Kurz bevor ich los wollte ist dann der Himmel aufgerissen und man konnte über die ganzen herbstlichen Wälder gucken.
Oben habe ich zwei Pfadfinder getroffen, die auf dem Weg zur Grenzbaude waren. Die meinten schon, dass es wahrscheinlich dunkel wird bevor wir ankommen. Ich hatte voll verpeilt, dass durch die Zeitumstellung die Sonne jetzt eine Stunde früher untergeht. Also bin ich noch eine ganze Weile im Dunkeln gelaufen, bis ich am Taubenteich angekommen bin.
Die Hütte am Taubenteich ist sehr cool. Das sind im Prinzip zwei aufeinander gestapelte Holzkisten, so zweieinhalb bis drei Meter lang und anderthalb Meter hoch und tief. Die klappt man auf und pennt dann einfach drin, Lüftung gibt es auch.
Am Abend wollte ich noch ein Feuer machen und hab mir da echt einen abgeackert. Im Endeffekt habe ich den Gaskocher angemacht und das Holz von innen flambiert, irgendwann hat es dann gebrannt. Danach saß ich noch bestimmt zwei Stunden am Feuer und hab mir einen Tannennadeltee gemacht, weil Vitamin C oder so.
Die Nacht war kalt. Mein Schlafsack ist leider einfach nicht warm genug, aber mit dem Underquilt von der Hängematte drumgewickelt ging es dann.
Tag 2 Taubenteich - Biwak bei Ostrov
Am nächsten Morgen dann das komplette Gegenteil. In der Nähe standen Birken, ich habe ein bisschen Rinde abgemacht, daraus ein kleines Nest gebaut und mit einem Grashalm zusammengebunden. Ein paar Funken mit dem Feuerstahl rein und das Ding stand sofort in Flammen. Mit etwas Zunderholz hatte ich dann zum ersten Mal ein Feuer nur mit dem Feuerstahl an. Da bin ich schon sehr stolz drauf. Danach gab es Kaffee und Porridge mit Milchpulver.
Taubenteich und Raketen-Biwak
Vom Taubenteich bin ich Richtung Ostrov gelaufen, ein Ort in Tschechien. Ich hatte die Idee, dass ich dort meine Powerbank aufladen kann.
In der Nähe von Ostrov liegt ein ziemlich abgespacetes Biwak, das aussieht wie eine Rakete. Drei große Balken treffen sich oben in der Mitte und ganz oben ist das Biwak eingebaut, aus Wellblech und von innen irgendwie isoliert. Es hat kein Fenster und ist drinnen einfach nur stockdunkel, aber angenehm warm. Ich habe da sehr gut gepennt.
Abends habe ich wieder Hallimasch gebraten und mir ein kleines Süppchen gemacht. Eigentlich wollte ich den wieder mit Dörrfleisch anbraten, das hatte ich aber vergessen.
Ein anderes Experiment war Mac and Cheese. Ich habe den Emmentaler ganz fein gerieben und mit dem Milchpulver gemischt, weil ich dachte, dass dann weder das Milchpulver noch der Käse klumpt. Der Käse hat trotzdem geklumpt. Am Ende waren es eher Nudeln in Nudelwasser, das nach Käse geschmeckt hat, mit ein bisschen Käse drumherum. Unten war alles angebacken und ich habe bestimmt fünf bis zehn Minuten den Topf geschrubbt. Da muss ich nochmal nachlesen, wie man das zu einer richtigen Soße bekommt.
Tag 3 Ostrov - Tisá - Kamphütte
Ostrov ist ein sehr sehr kleiner Ort mit einem Campingplatz und sonst nicht viel. Danach bin ich weiter nach Tisá, wieder mit dem Ziel meine Geräte aufzuladen. Hat nicht geklappt, weil literally alles zu hatte. Der Outdoor-Shop hatte zu, der kleine Supermarkt hatte zu, alles hatte zu, und das an einem Dienstag.
Über Tisá
Danach ging es eine Weile direkt an der Grenze entlang. Auf den Grenzsteinen steht auf der tschechischen Seite ein C, daneben ist ein S übermalt. Das kommt noch aus der Zeit der Tschechoslowakei.
Von Tisá ging es dann zur Kamphütte in der Nähe von Rosenthal. Recht entspannter Weg, zwischendurch hat es genieselt. Da habe ich mich unter ein paar Felsen gesetzt und mir einen Kamillentee gemacht.
An der Hütte war ich gegen 14 Uhr. Die hat einen Kamin und den habe ich direkt eingeheizt, weil meine Schuhe komplett durch waren. Dann habe ich meine Hose gewaschen und über den Kamin gehängt.
Danach habe ich versucht Pfannkuchen zu machen. Auf einem Campingkocher braucht man dafür glaube ich sehr viel Fett, eher frittieren als braten. Der Topf ist ja nicht beschichtet und die Hitze ist viel zu punktuell, alles ist sofort angebacken. Also gab es Kaiserschmarrn. Ich habe den Teig klein gemacht, ein bisschen Banane und Apfel dazu und alles auf den Kamin gestellt. Außen knusprig, innen noch ein bisschen weich, war ganz lecker.
Dazu gab es Tomatensuppe mit Nudeln. In der Hütte hatte jemand eine große Packung passierte Tomaten und eine Knoblauchzehe liegen lassen. Knoblauch angebraten, Tomaten drauf, Nudeln rein. Absolut köstlich. Die getrockneten Nudeln haben auch sehr gut funktioniert.
Abends wurde es dann richtig voll. Die beiden Pfadfinder vom Zschirnstein kamen, dazu noch zwei andere und zwei Männer so um die 40, 50, die den Weg gerade im Turbomodus gemacht haben. Die 105 Kilometer in fünf Tagen, also 20 bis 30, teilweise 32 Kilometer am Tag. Komplett geisteskrank.
Tag 4 Kamphütte - Rosenthal - Spitzstein-Biwak
Meine Akkus waren inzwischen echt auf Null, also bin ich recht früh los nach Rosenthal.
Nach Rosenthal und zum Spitzstein
In Rosenthal gibt es ein “Einkaufszentrum”. Das ist eigentlich nur ein sehr sehr kleiner lokaler Laden. Ich habe dort eingekauft und gefragt, ob ich meine Sachen aufladen kann, und mich währenddessen draußen auf eine Bank gesetzt.
Dann kam eine Mama mit ihrer kleinen Tochter vorbei. Die Tochter hatte so Öhrchen auf, unten waren Bändel dran und wenn man drauf drückt, wippen die Ohren. Sie hat mir ganz stolz erzählt, dass sie gerade sechs geworden ist. Die beiden waren auch wandern, die Kleine mit eigenem Rucksack und ihren Kuscheltieren drin. Laut der Mama gibt es die Regel, dass ein Kind ungefähr so viele Kilometer laufen kann wie es alt ist. Wahrscheinlich mit Limits, ich glaube nicht, dass man eine Zweijährige zwei Kilometer laufen lassen kann. Wir haben eine Weile zusammen am Tisch gesessen und gequatscht. Die beiden wollten zur Kamphütte, wo ich gerade herkam.
Danach ging es durch den Wald zum Spitzstein-Biwak. Unterwegs habe ich noch ein paar älteren Herrschaften geholfen, die zwar eine Karte dabei hatten, aber nicht so genau wussten, wo sie gerade sind.
Als ich am Biwak ankam, waren die beiden Pfadfinder schon da. Den Hallimasch habe ich in Olivenöl angebraten, Dörrfleisch dazu, nochmal ein bisschen anbraten lassen und dann Wasser drauf. Aus irgendeiner Laune heraus habe ich noch etwas Camembert reingemacht. Das wurde so eine Art Käsesuppe und war unfassbar lecker, mit dem Brot aus Rosenthal zum Auftunken.
Das Dörrfleisch würde sich glaube ich auch sehr gut in einem Gulasch machen, wegen dem Röstaroma.
Tag 5 Spitzstein-Biwak - Quirl - Diebeshöhle
Das war die längste Etappe. Auf dem Weg habe ich die Mama und ihre Tochter wieder getroffen und wir sind ein Stück zusammen gelaufen. Ich habe mich sehr lange mit der Tochter darüber gestritten, was das schnellste Tier ist. Sie sagte Leopard, ich sagte Gepard. Danach ging es um Lieblingstiere. Ihres ist der Bergfalke, meins war lange der Turmfalke. Die Mama meinte, so schnell wäre die Kleine noch nie gelaufen. Ich bin extra etwas langsamer gegangen, aber sie ist die ganze Zeit direkt hinter mir hergerannt.
Zum Quirl und in die Diebeshöhle
Das nächste Biwak lag direkt an einem Parkplatz bei einem Walderlebniszentrum. Das Zentrum war sehr schön, aber ich hatte Lust auf richtig Wald. Also weiter zum Biwak am Quirl, wo ich meine letzte Marke eingeworfen habe. Von da wollte ich noch zur Biwakhöhle, die war aber teilweise verschüttet und davor stand ein Schild mit “Betreten verboten, Einsturzgefahr”.
Also bin ich weiter zur Diebeshöhle. Da drin steht ein Tisch, der angeblich aus dem 18. Jahrhundert ist, irgendwas um 1760. Ganz hinten in der Höhle habe ich übernachtet.
Endlich habe ich auch den Hobo-Kocher richtig ausprobiert. Vorher hatte ich mal gegoogelt, wie man den zusammenbaut, und festgestellt, dass ich ihn seit ich ihn habe komplett falsch benutze. Ich hatte noch Birkenrinde dabei, habe von einer umgekippten Fichte die Spitze abgesägt und in kurze, daumendicke Stücke gehackt. Das ging ab wie Schmitz’ Katze. Die Stücke sind komplett verglüht, unten war kaum Asche übrig. Fünf oder sechs Stücke haben gereicht, um das Wasser für meinen Eintopf zu kochen.
Tag 6 Diebeshöhle - Königstein - Bad Schandau
Am Freitag bin ich dann zum Campingplatz in Königstein gelaufen und habe da erstmal einen Flammkuchen gegessen. Nach einer Woche Essen aus dem Topf war das schon sehr gut.
Abends ging es dann noch in die Therme nach Bad Schandau. Kleiner Rant: Man kann sich dort so gut wie nichts ausleihen. Ich hatte natürlich keine Badeschlappen dabei und musste mir für 10 € welche kaufen. Wer wandert denn bitte mit Badeschlappen im Rucksack durch den Wald?
Die Therme selbst war dann aber fantastisch und genau das Richtige nach sechs Tagen im Wald.
Sehr cool war auch die kurze Bootsfahrt über die Elbe. Die Fähre funktioniert einfach wie ein öffentliches Verkehrsmittel, man steigt ein, fährt ein paar Minuten rüber und steigt auf der anderen Seite wieder aus.
Danach ging es mit dem Flixtrain wieder nach Hause.